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VIER
UNDZWEI 
                                                     Erfahrungen eines Tierarzt-Hundes


Geriatrisches Vestibularsyndrom

Lotta Korb 2
Kennt Ihr das Geriatrische Vestibularsyndrom? Nein?

Ich hatte zwar schon davon gehört und auch schon einige Kumpels damit in der Praxis gesehen, hatte aber keine Vorstellung davon, wie blöd das ist. Und dann, vor 3 Wochen bekam ICH das plötzlich!!!
Oh Mann, was ging es mir schlecht! Meine Augen wackelten wie verrückt und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Bei Schüttelversuchen fiel ich einfach um und Geradeauslaufen ging gar nicht. Dazu war mir so etwas von übel, dass ich ständig erbrochen habe.

Frauchen hat mir genau erklärt, was mit mir los war und ich möchte mein neues Wissen nun an Euch weitergeben, damit Ihr, falls Ihr mal betroffen sein solltet, darauf vorbereitet seid:

InnenohrCopyright © Bayer Vital GmbH

Das Geriatrische Vestibularsyndrom ist eine Erkrankung des Innenohrs, das für den Gleichgewichtssinn verantwortlich ist. Von dem dort befindlichen „Vestibularorgan“ (auch „Labyrinth“ genannt) bekommt das Gehirn Informationen über die Position des Körpers im Raum. Ist dieses Organ erkrankt, kann das Gehirn Bewegungen im Raum nicht mehr koordinieren - der Hund weiß im Prinzip nicht mehr, wo oben und unten ist und fällt um, schwankt, läuft im Kreis (sog. „Manegebewegungen“), hält den Kopf schief und wirkt desorientiert.

Typisch ist ein ruckartikes "Zucken“ des Augapfels, meist in horizontaler Richtung („Nystagmus“).

Erbrechen oder Speicheln tritt ebenfalls häufig auf.

Das Unheimliche an dieser Krankheit ist, dass sie absolut plötzlich, ohne Vorzeichen auftritt. Eben war der 4-Beiner noch kerngesund und plötzlich kann er nicht mehr stehen!

Betroffen sind hauptsächlich ältere Tiere, daher der Begriff: „geriatrisch“ = altersbedingt.

Da es über die Ursache bisher noch verschiedene Theorien gibt, wird es oftmals auch als „Idiopathisches (= Ursache unbekannt) Vestibularsyndrom“ bezeichnet.

Die Diagnose fällt nicht schwer, das Krankheitsbild ist typisch. Dennoch müssen schwerwiegende Ohrentzündungen, Fremdköper, Tumore und Infektionskrankheiten als Krankheitsursache ausgeschlossen werden.

In der Praxis vergleichen meine Menschen das Krankheitsbild häufig mit einem Schlaganfall bei Euch Menschen. Das ist wissenschaftlich nicht korrekt, nur können sich viele Tierhalter dann besser vorstellen, wie es uns in diesen Moment geht. Ein Schlaganfall ist ein Hirninfarkt, bei dem Gehirnzellen absterben - beim Vestibularsyndrom ist nur das Innenohr betroffen!

Dieser Unterschied ist wichtig für die Prognose! Während nach einem Schlaganfall sehr häufig dauerhafte Schädigungen übrig bleiben, heilt das Vestibularsyndrom in sehr vielen Fällen vollständig aus.

Die Therapie richtet sich vorwiegend gegen die offensichtlichen Symptome: ein Mittel gegen Übelkeit und evtl. Infusion für den Kreislauf. Dazu habe ich ein durchblutungsförderndes Mittel bekommen, dass ich nun lebenslang schlucken muss.

Aber der wichtigste Pfeiler der Therapie ist:

GANZ VIEL LIEBE, KÜMMERN UND GEDULD!

Meine Familie hat erst mal unseren rutschigen Laminatboden mit Teppichen abgedeckt, damit ich mehr Halt bekam. Dazu installierten sie ein Baby-Treppenschutzgitter, weil ich es trotz meiner Orientierungslosigkeit irgendwie nicht einsehen wollte, dass ich keine Treppen laufen konnte - und helfen lassen, dass ist so gar nicht in meinem Sinne. Ich bin doch erwachsen und kann das allein!

Außerdem kauften sie mir ein Brustgeschirr mit Haltegriff, mit dem sie mich beim Laufen unterstützen konnten.

Dann haben sie mir ganz leckere Sachen aus der Hand gefüttert, denn mir war ja immer noch nicht gut im Magen und den Napf habe ich auch nicht gefunden.

Das Tollste war aber: Ich durfte 1 Woche lang mit Frauchen auf einer Matratze im Wohnzimmer schlafen, ganz eng angekuschelt und gemütlich!

Und was glaubt Ihr? Nach 2 Tagen war das Augenwackeln weg, 4 Tage später konnte ich wieder einigermaßen sicher geradeaus laufen und nach 1 Woche wurde das Treppengitter entfernt.

Es gibt noch so manche Situationen, bei denen ich ins Straucheln komme, aber eigentlich geht es mir wieder richtig gut.

Bei manchen Hunden dauert die Genesung etwas länger, aber die meisten sind nach ca. 2 Wochen wieder auf den Beinen. In Einzelfällen bleibt eine leichte Kopfschiefhaltung zurück.

Ihr seht also, ich habe es geschafft! Auch wenn die Krankheit am Anfang noch so schlimm aussieht, sie ist erst mal kein Grund zum Einschläfern. Blöd ist nur, dass sie immer wieder kommen kann - genauso plötzlich wie beim ersten Mal. Aber dafür bekomme ich ja jetzt diese doofen Tabletten!

Eure wieder ganz gesunde
Lotta
"Wau-Wau"
25. Juli 2016
Lotta wau wau


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