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VIER
UNDZWEI 
                                                     Erfahrungen eines Tierarzt-Hundes


Kastration beim weiblichen Kaninchen

In den letzten Jahren haben sich die Erkenntnisse über die sexuelle und hormonelle Situation und die hiermit bedingten Erkrankungen beim weiblichen Kaninchen (Häsin) deutlich weiterentwickelt und verändert.
Das weibliche Kaninchen erreicht ab der ca. 12. Lebenswoche die Geschlechtsreife. Um einen Eisprung auszulösen, bedarf es eines äußeren Reizes, dies ist normalerweise der Deckakt, aber auch das „Berammeln“ anderer Tiere oder Gegenstände löst den Eisprung aus. Mittlerweile wird sogar in Zuchtbetrieben durch Tageslicht- und Temperaturprogramme ein Eisprung ausgelöst und die Tiere anschließend künstlich befruchtet. Ein Zyklus dauert zwischen 1 und 2 Wochen. Es treten mehrere Zyklen hintereinander auf.

Wenn keine Befruchtung stattfindet, führt der Eisprung auslösende Reiz zur sogenannten „Scheinträchtigkeit“. In dieser Phase, ca 1-2 Wochen lang, ist die Häsin oft gereizt und aggressiv gegen ihre Artgenossen (egal ob andere weibliche Tiere, kastrierte oder nicht kastrierte Rammler) und teilweise auch gegenüber uns Menschen. Sie können dabei ihre Waffen, die scharfen Krallen, geschickt und schnell einsetzen und schmerzhafte Verletzungen hervorrufen. Zusätzlich können sie sich gegenseitig und uns tiefe Bissverletzungen zufügen, die sich gerne entzünden und vereitern. Zudem zeigt die scheinträchtige Häsin oftmals Nestbauverhalten, und ihr Gesäuge kann sich anbilden und Milch produzieren. Bei extrem ausgebildeter Scheinträchtigkeit, Aggressivität und Hypersexualität kann der Tierarzt mit Hormonpräparaten kurzfristig gegensteuern, langfristig ist aber in diesen Problemfällen eine Kastration anzuraten. Damit ist das Problem auf Dauer gelöst.

Ein weiterer Grund, der für eine vorbeugende Kastration spricht, ist die bei unkastrierten, älteren Kaninchen - ca. ab dem 3. Lebensjahr - gehäuft vorkommenden Gebärmutterveränderungen. Darunter versteht man Erkrankungen wie Gebärmuttertumoren (und hierdurch wiederum möglicherweise bedingte Fernmetastasen in andere Organe), hormonbildende Eierstocks- und Gebärmutterzysten oder die lebensbedrohliche Gebärmutterentzündung bzw. -vereiterung. Diese Erkrankungen entstehen eher langsam, sind schmerzhaft und bis zur eindeutigen Diagnose mittels Röntgen und / oder Ultraschall-Untersuchungen kann eine längere Zeit vergehen, so dass die Erkrankungen oftmals leider schon sehr weit fortgeschritten sind. Da Kaninchen Weltmeister im Verbergen von Krankheiten sind, könnten sogar diese chronischen Schmerzen der Auslöser für das aggressive Verhalten vieler Häsinnen sein.
In den Anfängen unserer Praxis galt die Kastration einer Häsin aufgrund der häufigen Narkosezwischenfälle als Risiko-OP und wurde nicht prophylaktisch durchgeführt. Mit dem heutigen Wissen und neuerem Narkosemanagement ist das Risiko um ein vielfaches gesunken, wenn es auch immer noch höher ist als bei Hund und Katze, so dass wir guten Gewissens zu dieser OP raten. Außerdem stellen wir in den meisten Fällen während der Operation fest, dass es sich gar nicht um eine prophylaktische Maßnahme handelt, da die Gebärmutter bereits verändert ist und mit Sicherheit Schmerzen verursacht und das Auftreten weiterer Probleme nur eine Frage der Zeit gewesen wäre.

die eigentliche Operation
Bei der Kastration der Häsin werden die Eierstöcke und am besten auch die Gebärmutter im gesamten entfernt (entspricht der Totaloperation der Frau).
Wir geben vor der Inhalationsnarkose ein Schmerzmittel sowie eine leichte Sedation, damit die Atemmaske (Narkosegas) toleriert wird und keine hormonelle Stressreaktion oder gefährliche Abwehrbewegung/Reflexe eintreten (Selbstverletzung).
Nach dem Scheren und Desinfizieren des Bauchbereiches sowie dem Lagern auf einer Wärmematte (Kaninchen kühlen in Narkose extrem schnell aus!) erfolgt ein, je nach Größe des Tieres, ca. 2 bis 4 cm langer Hautschnitt.
Kastr Kanin1

Die Gebärmutter und Eierstöcke werden vorgelagert, mehrfach abgebunden und entfernt.
Kastr Kanin2  
Kastr Kanin3
(veränderte Gebärmutter)
Anschließend erfolgt der Wundverschluss mittels Nahtmaterial oder Gewebekleber. Die Patienten sollten nach der OP für ca. 10 Tage, bis zum Fäden-ziehen (bei Verwendung von Gewebekleber nicht notwendig), nicht auf Einstreu sondern auf Zeitungen oder Handtüchern gehalten werden!

Gibt es Risiken bei der Operation?
Keine Operatin- ob bei Mensch oder Tier - ist risikolos. Aber wir verstehen es, das Risiko durch das von uns angewendete schonende und gut steuerbare Narkoseverfahren, durch geeignete Überwachungsmaßnahmen und durch ein optimales perioperatives Management (präoperative Schmerzmedikation, Stressvermeidung, Temperaturmanagement.....) zu minimieren.

Der beste Zeitpunkt?
Am besten bevor schmerzhafte Veränderungen entstanden sind - leider können wir auch nicht genau vorhersagen, wann das sein wird.
Wenn sich der Tierhalter sicher ist, dass sein Kaninchenmädchen auf jeden Fall kastriert werden soll, dann empfehlen wir die Kastration mit etwa 6 Monaten, zumal in diesem Alter nur geringe Fetteinlagerungen in Bauchhöhle zu finden sind, was die Operation vereinfacht und die Narkosedauer verkürzt.


Die Kastration der weiblichen Kaninchen steht in vielen Tierarztpraxis leider noch nicht an der Tagesordnung. Sie wird sogar oftmals nicht empfohlen oder gar abgelehnt. Nach unseren Erkenntnissen sollte sie sich aber zum Wohl der Tiere im Sinne einer therapeutischen und v. a. auch prophylaktischen Tiermedizin immer weiter durchsetzen.

Also, ich mag ja die Mümmelmänner 😀
Eure Pebbles

14. August 2017

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